XX. Rosenschau: 200 Jahre 'Blush Noisette'

Alte Rosen zum Jubiläum von Sckells Botanischem Garten in München

Schirmherrschaft: Herzog Franz von Bayern

Die Ausstellung wird unterstützt von der
Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens München e.V.

Ausstellungsdaten

Dauer
Freitag, 29. Juni 2012 bis Montag, 2. Juli 2012

Öffnungszeiten
täglich durchgehend von 9 bis 18:30 Uhr; am Freitag bis 21 Uhr. Am Samstag ist die Ausstellung in der Winterhalle ab 20 Uhr für die Märchenlesung „Dornröschen“ geöffnet. Das Freiland des Gartens ist am Abend bis 19 Uhr (Hauptkasse, Menzinger Str. 65) geöffnet, die Südkasse schließt um 18:45 Uhr; die Gewächshäuser schließen um 18:30 Uhr.

Ort
Botanischer Garten München-Nymphenburg, Menzinger Str. 65, 80638 München, in der Winterhalle und auf dem umliegenden Gelände

Zugang in den Botanischen Garten
Haupteingang: Menzinger Str. 65 (zur Winterhalle nächstgelegener Eingang)
Südeingang: Erreichbar zu Fuß über den Schlosspark Nymphenburg, mit dem Fahrrad über die Maria-Ward-Straße und den Radweg „Alte Menzinger Straße“. Vom Südeingang etwa 10 min Fußweg bis zur Winterhalle.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Der Haupteingang ist direkt erreichbar mit Trambahn Linie 17 und Bus 143,
Haltestelle Botanischer Garten. Zusätzlich fährt die Trambahn Linie 16 (Richtung Amalienburgstraße).

Eintrittspreis (Tageskarte): 5 €, ermäßigt 3 €
Kinder bis zu 12 Jahren haben freien Eintritt, Zutritt in den Botanischen Garten ist jedoch nur in Begleitung Erwachsener erlaubt. Im Eintrittspreis enthalten ist der Gartenbesuch einschließlich der Gewächshäuser, der Ausstellung und des Markts. Begleitende Veranstaltungen – soweit nicht anders angegeben – sind ebenfalls inbegriffen.

Hinweis für Besucher
Bitte beachten Sie die Besucherordnung.

Fotografieren (ohne Stativ) für rein private Zwecke ist in der Rosenschau erlaubt.

Hunde dürfen nicht in die Winterhalle und nicht in die Gewächshäuser. Aus Rücksicht auf die Tiere bitten wir auch darum, Hunde nicht auf den Markt mitzunehmen. Im Freiland des Botanischen Gartens München-Nymphenburg dürfen Hunde an der kurzen Leine mitgeführt werden.

Ausstellungskonzept, Motto
Konzept: Kerstin Frohnholzer (GARTALERIE, Velburg) und Hubert Müller.
Motto: Prof. Dr. Jürke Grau, Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens München e.V.

Ausstellungsgestaltung
Kerstin Frohnholzer, Hubert Müller und das Team des Botanischen Gartens München-Nymphenburg; Tor: Schreinerei des Botanischen Gartens München-Nymphenburg; Fotografie und Layout der Fahnen: Franz Höck, Botanischer Garten München-Nymphenburg; Texte: Prof. Dr. Jürke Grau, Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens München e.V.

Rosenberatung

In der Ausstellung beantworten Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde e.V., Freundeskreis München, auch dieses Jahr fachmännisch Fragen zur Pflege und Kultur von Rosen.

Begleitender Markt im Freiland

Traditionell wird die Rosenschau des Botanischen Gartens München-Nymphenburg von einem kleinen Markt begleitet. Hier kann man exquisite Rosen kaufen und durch allerlei Stände mit schöner Keramik, Begleitpflanzen und (Rosen-)Accessoires bummeln.

Öffnungszeiten des Markts
Täglich durchgehend von 9 bis 18:30 Uhr, am Freitag bis 21 Uhr

Erste Eindrücke







200 Jahre 'Blush Noisette'

Motto und Jubiläen

Bereits zum 20. Mal jährt sich unsere traditionelle Rosenschau, die jeweils Ende Juni stattfindet. Diesem kleinen Jubiläum steht ein zehnmal größeres gegenüber, denn genau 200 Jahre ist es her, dass München einen Botanischen Garten erhielt. Im Jahr 1812 wurde nämlich unter der Regentschaft von König Max I Joseph (1756 – 1825) der Vorläufer des heutigen Botanischen Gartens unweit des Stachus eröffnet. Er ist heute ein Park und unter dem Namen „Alter Botanischer Garten“ bekannt. Geplant wurde er von dem berühmten Gartenkünstler (Clarus) Friedrich Ludwig von Sckell (1750 – 1823).

Die ursprüngliche Gartenstruktur mit ihrer regelmäßigen symmetrischen Beetanlage wurde 1854 durch den Bau des riesigen Glaspalastes zerstört. Dieser wurde anlässlich der Ersten Allgemeinen Deutschen Industrieausstellung inmitten des Gartens errichtet und bis 1931 für Ausstellungen genutzt; im gleichen Jahr brannte er ab. Zu dem Zeitpunkt war der Botanische Garten allerdings bereits nach Nymphenburg verlagert worden, wo er im Jahr 1914 seine Pforten geöffnet hatte. Vom Alten Botanischen Garten ist heute nur noch das Eingangstor erhalten, das ehemals nach einem Entwurf des portugiesischen Baumeisters Emanuel Joseph von Herigoyen (1746 – 1817) errichtet worden war. Die Rosenausstellung im Botanischen Garten München-Nymphenburg stellt die Verbindung zum Alten Botanischen Garten über dieses historische Tor her. Die Besucherinnen und Besucher können es inmitten der Winterhalle durchschreiten, um diesseits und jenseits durch die Rosenbeete zu flanieren. Mit Blick auf einen historischen Stadtplan Münchens und eine alte Ansicht des Tors mag es gelingen, sich gedanklich in die damalige Zeit zurückzuversetzen …


01 Eingangsportal des Alten Botanischen Gartens in München

Damals vor 200 Jahren war die Rosenvielfalt allerdings nicht so groß wie heute. Ende des 18. Jahrhunderts verfügte man nur über ein paar Dutzend Sorten und erst Anfang des 19. Jahrhunderts setzte eine gezielte Züchtung ein. Ab da entwickelte sich die Fülle und Vielfalt der Gartenrosen wie wir sie heute kennen. Genau in das Gründungsjahr des Alten Botanischen Gartens München fällt die Entstehung der 'Blush Noisette', einer Rosensorte, die zur Bildung einer neuen Klasse führte, die als erste öfterblühende Kletterrosen enthält und die man unter dem Namen Noisette-Rosen kennt.


02 'Blush Noisette', entstanden 1812 in Nordamerika

Die Entstehungsgeschichte der Noisette-Rosen beginnt zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Nordamerika, genauer im Südwesten der U.S.A. im Bundesstaat South Carolina, in der Nähe der Hafenstadt Charleston. Dort kreuzte der Reisanbauer John Champneys im Jahr 1802 auf seiner südlich der Stadt gelegenen Farm die China-Rose 'Old Blush', die er von seinem Nachbarn Philippe Noisette erhalten hatte, mit der Moschus-Rose, Rosa moschata. Das Ergebnis war eine gut wüchsige Rose mit einfachen oder doppelt gefüllten Blüten, die 'Champneys’ Pink Cluster' genannt wurde. Champneys gab seinem Nachbarn aus Dank Sämlinge von dieser neuen Rose. Philippe Noisette, einer französischen Züchterfamilie entstammend, kultivierte sie und entwickelte im Jahr 1812 die 'Blush Noisette', eine sehr wüchsige, fast dauerblühende, duftende, hellrosa bis lilafarbene Rose. 1817 sandte Philippe Noisette Stecklinge dieser neuen Rose an seinen Bruder Louis Claude Noisette in Frankreich. Dieser verfolgte die Züchtungslinie weiter und entwickelte zahlreiche Sorten. Ab 1819 konnte man die ersten „Noisettes“ im Handel erhalten. Sie wurden als eigene Klasse anerkannt; übrigens die einzige Rosenklasse, deren Ursprung in den U.S.A. liegt.


Die Rose 'Blush Noisette' wurde 1817 von Amerika nach Frankreich gesandt.


Die Blüten der 'Blush Noisette' können fast weiß, rosa bis hell lila gefärbt sein.

In Rosenkreisen der damaligen Zeit war die 'Blush Noisette' auch unter dem Namen 'Rosier Noisette' bekannt und der wohl beste Pflanzenillustrator seiner Zeit, Pierre Claude Redoute (1759 – 1840), verewigte sie in einem unter dem Namen Rosa noisettiana und Rosier de Philippe Noisette in einem seiner Aquarelle.

Ein Exemplar der Rose, die mit dem Botanischen Garten sein 200-jähriges Bestehen in München feiert, wird natürlich in der Ausstellung zu sehen sein. Umgeben von einer Vielzahl schöner modernen Sorten wird die 'Blush Noisette' einen Ehrenplatz im vorderen Teil der Ausstellung bekommen.

Übrigens gibt es noch ein Jubiläum. Im Jahr 1812 erschien der erste Band der „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm, in dem auch das Märchen „Dornröschen“ geschildert wurde. 200 Jahre Dornröschen, 200 Jahre 'Blush Noisette', 200 Jahre Alter Botanischer Garten München. Die 20. Rosenschau im Botanischen Garten München-Nymphenburg ist inmitten all dieser Jubiläen wahrhaft gut aufgehoben.

Fotos 1 - 2: Prof. Dr. Jürke Grau, Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens München e.V.
Fotos: Franz Höck, Botanischer Garten München-Nymphenburg
Text: Ehrentraud Bayer, Botanischer Garten München-Nymphenburg

Quellen
http://www.rosegathering.com/
http://www.rosenhof-schultheis.de/
http://www.welt-der-rosen.de/
http://www.gartenfreunde.ch/